Vernetzung in offenen Plattform-Ecosystemen: indivio entwickelt mit Händler VONOUS ein Software- und Prozess-Toolkit für die Anbindung der neuen Amazon Selling Partner API

by admin

Vernetzung in offenen Plattform-Ecosystemen: indivio entwickelt mit Händler VONOUS ein Software- und Prozess-Toolkit für die Anbindung der neuen Amazon Selling Partner API

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Business-Ecosysteme wie Amazon bieten für Verkäufer vielfältige Absatzmöglichkeiten und neue Geschäftsmodelle. Neben der strategischn Positionierung müssen Unternehmen auch die prozessuale und technische Anbindung sicherstellen. Amazon’s neue SP-API ist ein Schlüssel hierzu, die Anbindung und Datennutzung jedoch komplex. Wir haben in Zusammenarbeit mit der VONOUS GmbH, einem Schweizer E-Commerce-Händler, ein Toolkit bestehend aus Onboarding-Prozess und Softwarebibliothek entwickelt und produktiv implementiert.

Amazon – der grösste Marktplatz der Welt

Marktplätze vereinen schon heute den grössten Teil des Vertriebs an Endkunden auf ihren Plattform bzw. in ihren Ecosystemen. An vorderster Stelle steht hier Amazon. Doch was viele nicht wissen: Amazon verkauft nicht alles selbst, sondern agiert als Marktplatz für Drittverkäufer. Die Zahl

der Verkäufer steigt laufend und immer mehr kleine Unternehmen bieten ihre Produkte auf Amazon an.

Die wohl grösste Stärke der Plattform ist das sogenannte FBA – Fulfilment by Amazon: Unternehmen brauchen weder Lagerkapazitäten noch müssen sie sich um Versand, Retouren oder Zahlungsabwicklung kümmern. Dies alles übernimmt Amazon. Verkäufer können diese Prozesse jedoch auch flexibel auf Artikelbasis selbst erbringen, sind also in der Konfiguration ihrer Wertschöpfungskette komplett flexibel.

Daten, Daten, Daten

Um in dieser komplexen Umgebung den Überblick zu behalten, müssen Verkäufer Zugriff auf alle verbundenen Daten haben, zum Beispiel Orderdaten, Retourendaten, steuerrelevante Information und insbesondere auch Finanzkennzahlen wie Umsätze, Währungsexposures uvm. Hierzu gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Variante 1 – Zugriff über den Browser: die einfachste, aber auch manuellste Möglichkeit. Der Nutzer kann sich im sog. Seller Central – dem Amazon Verkäuferportal – z.B. einzelne Bestellungen anschauen, diese jedoch nicht weiterverarbeiten.
  • Variante 2 – Zugriff über manuell exportierte Reports: Seller können über das Amazon GUI csv-Reports bestellen und herunterladen. Diese können dann z.B. in selbst erstellten Tool (Excel, Access, Alteryx usw.) weiterverarbeitet werden.
  • Variante 3 – Zugriff über die Amazon Schnittstelle: hier kommen alle Vorteile von APIs zum Tragen: automatische Generierung und Abruf aller relevanten Daten zur Weiterverarbeitung in beliebigen Systemen, insbesondere auch professionellen Softwaresystemen (z.B. ERP-Systeme, Data Analytics Plattformen usw.).

Die nachhaltigste Möglichkeit, Daten aus Amazon zu nutzen, ist natürlich die Variante 3 – eine standardisierte Schnittstelle. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Softwarehersteller und Serviceprovider nach Möglichkeiten suchen, ihren Kunden eine direkte Integration mit Amazon zur Verfügung zu stellen.

Die Amazon SP-API

Amazon hat hierzu vor Kurzem seine neue SP-API vorgestellt, welche die damalige MWS-API ablösen wird. Die Schnittstelle ist sehr umfangreich und erlaubt die flexible Konfiguration der abzurufenden Daten. Sie ist vollständig JSON REST-basiert und implementiert aktuellste Standards, wie etwa oAuth2.0. Darüber hinaus bietet sie Entwicklern umfangreiche Test- und Sandboxing-Möglichkeiten.

Doch leider ist die Anbindung und Nutzung recht komplex, insbesondere wenn man sich bisher nicht mit den Amazon Web Services auseinandergesetzt hat. Amazon nimmt Datenschutz und Datensicherheit ernst, weshalb die Anbindung einige Fallstricke birgt.

Hierzu gehört zunächst das unter dem Namen IAM (Identity and Access Management) firmierende mehrstufige Authentifizierungs- und Authorisierungssystem von AWS: User, Rollen und Policies. Nutzer brauchen spezifische Rollen und Policies für den Zugriff auf Amazon-Daten. Sobald die ersten Hürden genommen sind, muss ein passender Token abgerufen werden. Der Tokentyp hängt dabei wiederum von den abzurufdenden Daten ab – vor Allem bei perosnenbezogenen Daten wird es schnell kompliziert.

Schliesslich muss ein umfassender Prozess etabliert werden, mit welchem Reports bestellt, generiert, heruntergeladen, entschlüsselt und in die passende Zielform gebracht werden.

Toolkit für die Anbindung und das Reporting

Wir haben den gesamten Prozess in JavaScript auf Basis der Node.js runtime implementiert. Das resultierende SP-DEV TOOLKIT ist eine Kombination aus Softwarebibliothek und Onboardingprozess-Guide. Die Vorteile auf einen Blick:

  • Vollautomatische Generierung und Formatierung von Reports zur Weiterverarbeitung von Amazon Marketplace Daten
  • Periodischer Reportabruf in beliebig kurzer Periodizität
  • Keine manuellen Interventionen
  • Problemlose Integrierbarkeit in bestehende automatische Prozesse

Wie dieser Prozess und die Softwarebibliothek in den operativen Betrieb gebracht wurden, ohne umfassende Integrationen durchführen zu müssen, zeigt nachfolgender Proof of Concept.

Proof-of-Concept: Reporting@VONOUS

Die VONOUS GmbH mit Hauptsitz in Zürich verfolgt ein zweigleisiges Geschäftsmodell. Zum Einen vertreibt sie als Händler eigene Artikel, insbesondere auf Amazon. Zum Anderen orchestriert sie als Dienstleister den Amazon-Veraufsprozess (Artikel-Listing, analytische Auswertungen, steuerliche Auswertungen usw.) für weitere Händler. Für beide Aktivitäten werden jederzeit aktuelle Daten benötigt. Wir haben dies mithilfe des neu entwickelten Toolkits gelöst. Um schnell erste Ergebnisse zu erzielen, wurde ein einfacher Setup gewählt:

Basis-Stack:

  • VMware Hypervisor zum lokalen Betrieb auf einem Notebook (kein aufsetzen von Applikationsservern notwendig)
  • OS: Ubuntu 20.04
  • Runtime: Node.js
  • Tools: diverse Entwicklungswerkzeuge (Postman, VSCode)

Software:

  • Abbildung des kompletten Prozesses in JavaScript (Node.js), vollständig basierend auf asynchronen Programmier-Patterns
  • Keine grafischen Oberflächen, da 100% automatisiert; bei Bedarf kann jedoch ein Config-Interface aktiviert werden, um Deployments im Falle von Paramter-Anpassungen zu vermeiden. Dies ist hilfreich, wenn beispielsweise häufig neue Reporttypen integriert werden sollen oder die Abruf-Zeiträume wechseln
  • Nutzung von ca. 75 (kostenlosen) Sub-Bibliotheken, z.B. zur Datentransformation, Token-Abruf usw. – das Rad muss nicht immer komplett neu erfunden werden. Bei Bedarf können diese natürlich durch Eigen-Implementierungen ersetzt werden

Datenbereitstellung:

  • Generierung von csv-Dateien und Bereitstellung zur Abholung auf einem Fileserver. Hier können mit wenig Aufwand andere Formate generiert werden, z.B. XML, JSON oder auch komplexere, Schnittstellen-basierte Übergaben.
  • Die Reports werden viertelstündlich abgerufen und auf einem Fileserver den weiterverarbeitenden Applikationen – in diesem Fall der Alteryx Plattform –

Nachfolgende Abbildung zeigt die in diesem Beispiel umgesetzte Architektur.

Das System wurde so gestaltet, dass innert weniger Tage Ergebnisse vorlagen und die Auswirkungen auf die bestehende Unternehmensarchitektur minimal sind. Dies hilft der Organisation, sich mit den neuen Technologien vertraut zu machen und dennoch von Beginn an produktiv nutzbare Daten zu erhalten.

Ausblick

Europaweit tätige E-Commerce-Händler kommen an Amazon nicht mehr vorbei. Doch es gibt weitere Plattformen, die in einer nachhaltigen Omni-Channel Vertriebsstrategie nicht fehlen dürfen, z.B. ebay, google oder kleinere, thematisch und/oder regional spezialisierte Anbieter (z.B. ricardo und digitec in der Schweiz). Jeder Anbieter hat seine eigenen Anbindungsmechanismen. Nicht zuletzt gilt es auch, eigene Präsenzen anzubinden, etwa auf Basis von Shopify und anderen Webshopsystemen. Vor diesem Hintergrund bietet das SP-DEV Toolkit Potentiale zum Ausbau hin zu einer zentralen Daten-Drehscheibe für E-Commerce Händler. Die Architektur der aktuellen Version ist daher bewusst offen und erweiterbar gestaltet.

Ihr Vorhaben

Sie sind Händler und möchten eigene Auswertungen haben? Oder Sie sind Softwarehersteller und brauchen Unterstützung bei der strategischen Ausrichtung? Oder Sie sind eine Bank und überlegen, Ihren KMU entsprechende E-Commerce Services anzubieten?

Gerne unterstützen wir Sie auch bei Ihrem Vorhaben. Wir bieten Ihnen eine breite Dienstleistungspalette von der strategischen Positionierung bis hin zur Umsetzung:

  • Beratungsleistungen für die eigene strategische Positionierung unter Berücksichtigung von Ecosystemen und Plattformen
  • Unterstützung beim Aufbau neuer Plattform- und Ecosystem-basierter Geschäftsmodelle
  • Unterstützung bei der Anbindung von Marktplatz-Schnittstellen, inklusive entsprechenden Implementierungsunterstützungen und Code-Bereitstellungen

Sprechen Sie uns gerne an und wir erarbeiten ein massgeschneidertes Paket für Sie.

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